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Die weiße Schlange

Die Alm Fodara Vedla in der Nähe von St. Vigil in Enneberg zeichnet sich durch weitläufige, üppig grüne Weiden aus, auf denen im Sommer die Hirten in aller Ruhe ihr Vieh grasen lassen.

Eine wahre Idylle mit dem sanften Läuten der Kuhglocken, einer leichten Brise und vereinzelten Wanderern, die des Weges kommen. Das war jedoch nicht immer so!

Vor langer, langer Zeit wimmelte es in diesem Gebiet nur so von giftigen Schlangen und nur die mutigsten Hütejungen wagten sich mit ihren Herden bis an den Fuß des Sas dla Para heran.

Tag und Nacht mussten sich die Hirten vor den boshaften Vipern in Acht nehmen, die jede Gelegenheit nutzen, Mensch oder Tier zu beißen. Sogar in die Ställe schlichen sie sich ein, um sich an der Milch der Kühe gütlich zu tun.

Doch irgendwann hatten die Einwohner des Tales genug von der Plage und beschlossen, den Hexenmeister von St. Vigil um Hilfe zu bitten. Dieser zierte sich nicht lange, bereitete aus allerlei geheimnisvollen Pülverchen und magischen Kräutern einen Zaubertrank und machte sich auf den Weg zur Fodara Vedla.

Der Erfolg - und das Ende - des Hexenmeisters

Als es dämmerte, entzündete der Zauberer dort ein großes Feuer und begann mit lauter Stimme geheimnisvolle Gebete und Sprüche aufzusagen, welche die Schlangen anziehen sollten. Und so geschah es auch: Aus allen Winkel schienen sich die Tiere heran zu schlängeln, wie hypnotisiert krochen sie in die Flammen hinein und verbrannten mit grauenvollem Knistern und Knacken.

Nach einiger Zeit tauchte unter den vielen Vipern jedoch eine auffällig große, weiße Schlange auf, deren Haupt eine kleine Krone zierte. Verzweifelt versuchte der Hexenmeister sich gegen sie zur Wehr zu setzen, doch vergebens. Die riesige Schlange schlang sich um seinen Körper und zog ihn ins Feuer.

Am nächsten Morgen brachen die Bauern und Hirten in aller Frühe auf, um zu sehen, wie es dem Zauberer ergangen war. Von ihm fehlte jedoch jede Spur und auch von den Schlangen war weit und breit nichts mehr zu sehen. Einzig eine giftgetränkte, aschegefüllte Grube erinnerte an die Geschehnisse der letzten Nacht.

Ein Hirte schaute sich die Stelle etwas genauer an als die anderen und entdeckte zwischen den rußigen Resten einen glitzerndes Etwas: Es war die Krone, welche die weiße Schlange getragen hatte! Er hob sie auf, setzte sie auf seinen Kopf und lebte fortan als reicher Prinz.

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