Angebote anfordern
Unterkünfte finden in Südtirol

Der rote Berg

Aufgrund ihrer blass-grauen Farbe werden die Dolomiten gerne auch die „bleichen Berge“ genannt. Mittendrin ragen jedoch einige auffällig rote Felsen hervor. Das war nicht immer so.

Die Hohe Gaisl, auch Croda Rossa d’Ampezzo genannt, liegt zwischen Prags und dem Höhlensteintal, genau an der Grenze zwischen Südtirol und Belluno. Vor langer Zeit unterschied sie sich noch in keinster Weise von den anderen Bergen rundherum. Damals wohnte zwischen den zerklüfteten Felsen eine einsame Anguana, eine Wald- und Wasserfrau, der nur die Murmeltiere Gesellschaft leisteten.

Eines Abends kam eine Frau mit einem Kind des Weges, doch noch ehe die Anguana ein Wort mit ihr sprechen konnte, brach die Fremde tot zusammen. Die Anguana nahm das Kind, ein Mädchen, bei sich auf und nannte es Moltina. Wie das Kind heran wuchs, freundete es sich mit den Murmeltieren an, lernte ihre Sprache und konnte sogar ihre Gestalt annehmen.

So kam es, dass der Prinz des Königshauses der Landrines im Wald auf der Jagd war. Er erblickte Moltina und ward sogleich verliebt, doch sie lief fort. Nach langer Suche traf der Königssohn schließlich auf die Anguana und kam mit ihr überein, das Mädchen als Braut auf sein Schloss zu führen. Am Hofe war man anfangs wenig begeistert von der Wahl des Prinzen, doch letzten Endes gelang es ihm, alle Bedenken zu zerstreuen.

Moltina freute sich so sehr, dass sie allen von ihrem Glück erzählen musste: den Murmeltieren, den Gräsern und Blumen, ja sogar den Felsen, die ihre Freude teilten und ganz warm wurden. Die Anguana deutete das so, dass der Berg auf geheimnisvolle Weise mit ihrem Schicksal verknüpft sei und jede Freud und jedes Leid mit Moltina mitfühlen würde.

Das Murmeltiermädchen im Schloss

Der Prinz und das Murmeltiermädchen vermählten sich also und lebten auf der Burg. Als dort ein großes Fest veranstaltet wurde, forderte die böse Königin der Bedoyeres alle Anwesenden dazu auf, von ihrer Heimat und ihren Ahnen zu erzählen. Als Moltina an der Reihe war, vermochte sie nichts zu sagen und ihr Gesicht wurde feuerrot, so sehr schämte sich das arme Kind.

Im selben Moment färbte sich auch der Berg blutrot und versetzte alle in großes Staunen. Moltina aber lief fort und kehrte nie wieder auf das Schloss zurück, so groß war ihre Scheu. Deshalb behielt auch die Hohe Gaisl ihre rote Farbe.

Der Prinz aber folgte seiner Geliebten in die Berge, wo sie nicht nur eine Familie gründeten, sondern später sogar König und Königin der Fanes wurden. Dieses mächtige und angesehene Volk siedelte auf der Westseite des Berges und sein Wappensymbol war das Murmeltier. 

Südtirols beste Tipps