Angebote anfordern
Unterkünfte finden in Südtirol
  1. Themen
  2. Kultur
  3. Mythen und Sagen
  4. Die Nachtigall vom Langkofel

Die Nachtigall vom Langkofel

Am Fuße des Langkofels in den Dolomiten stand vor vielen Jahren ein prächtiges Schloss, in dem eine Königstochter wohnte. Eines Tages rettete sie eine Nachtigall vor einem bösen Habicht.

Als Dank machte ihr das Vöglein, das auf wundersame Weise wie ein Mensch sprechen konnte, ein Geschenk: „Wann immer du möchtest, kannst du dich in eine Nachtigall verwandeln. Nur durch einen Todesfall wird diese Fähigkeit wieder verschwinden.“ Noch bevor die Prinzessin etwas erwidern konnte, war die Nachtigall auch schon fort.

Sogleich probierte die Königstochter ihre neue Gabe aus und siehe da, bald flog sie als Nachtigall herum, erfreute die Menschen mit ihrem wunderschönen Gesang und lauschte den Erzählungen anderer Vögel.

Besuch beim einsamen Ritter

So erfuhr sie von einigen Raben, dass hinter dem Grödnertal ein junger Ritter einsam und alleine in einer Ruine wohnte. Neugierig machte sich die Prinzessin in Vogelgestalt auf den Weg und schließlich fand sie die halb verfallene Burg und ihren Bewohner, der sehr traurig dreinschaute. Sie ließ sich in der Nähe auf einem Baum nieder, begann zu trällern und der Ritter war überaus angetan von ihrem Gesang.

Nach einigen Tagen suchte der Ritter einen alten Salwan, einen weisen Höhlenbewohner der Dolomiten auf und klagte ihm sein Leid: „Ich bin so traurig. Nichts freut mich, nicht einmal die Jagd. Nur der Gesang der Nachtigall heitert mich auf. Fliegt sie fort, bin ich genauso traurig wie zuvor.“

Der Salwan vermochte dies nur dadurch zu erklären, dass eine Frau den Recken in ihren Bann gezogen haben musste. Damit war dem Ritter jedoch wenig geholfen, denn er hatte ja nie eine Frau zu Gesicht bekommen und so war er noch bekümmerter. Als die Nachtigall das nächste Mal herangeflogen kam, schrie er ihr verbittert entgegen: „Der Salwan hat Recht: Du bist ein Weib!“

Die Prophezeiung wird wahr

Sofort bereute der Ritter seinen Groll, doch es war zu spät: Die Prinzessin im Federkleid flog auf und davon. Auch in den Tagen danach wartete er vergeblich auf ihre Rückkehr und zog sich, todunglücklich, mehr und mehr zurück. Als die Nachtigall schlussendlich doch zur Burg zurückflog, fand sie den Ritter tot im Hof.

Sie war bestürzt und ahnte wohl, dass sie Mitschuld an seinem Tod hatte. Als sie vergeblich versuchte, ihre menschliche Gestalt anzunehmen, kam ihr wieder die Prophezeiung der Nachtigall in den Sinn, die sich nun bewahrheitet hatte. So musste die Königstochter fortan selbst als Nachtigall unter den Vögeln des Waldes leben.

Wer nun in den Grödner Bergen eine Nachtigall hört, die schöner singt als alle anderen: das ist die verzauberte Königstochter!

Südtirols beste Tipps